«Es geht um die Sicherheit und Wahrheitsfindung, nicht um Bussen»

Am Raclette-Plausch des Gewerbevereins Gossau erzählte Florian Altherr von der Verkehrsabteilung der Kantonspolizei Zürich aus seinem Berufsalltag. In seiner Tätigkeit als Sachverständiger Fahrzeugtechnik hat er schon so einiges zu Gesicht bekommen.

Der Einladung zum ersten Anlass des Gewerbevereins Gossau im neuen Jahr folgten fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach dem Apéro, der von der Firma Kurt Meier GmbH offeriert wurde, begrüsste Silvia Berger, Präsidentin des Gewerbevereins Gossau, die Anwesenden im Schützenhaus Gossau und übergab das Wort an den Gastreferenten Florian Altherr.

Kontrollen für mehr Sicherheit
Jeden Tag sind auf den Schweizer Strassen Fahrzeuge unterwegs, die nicht den gesetzlichen oder technischen Normen entsprechen und mitunter auch die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmenden gefährden. Die Folge: es passieren Unfälle, die nicht immer glimpflich ausgehen.

Von lustig bis dramatisch
Die gezeigten anonymisierten Bilder und Videoausschnitte von Unfallsituationen oder von technischen Kontrollen sind teilweise lustig. Zum Beispiel sorgte ein Bild mit einem selbstgebastelten E-Bike für Gelächter. Andere Bilder wiederum stimmen nachdenklich, vor allem dann, wenn aufgrund von unsachgemäss gewarteten Fahrzeugen oder aufgrund von Fahrfehlern Unfälle passieren, bei denen Menschen verletzt oder gar getötet wurden.

Technische Abklärungen führen zu wichtigen Erkenntnissen
Florian Altherr und seine Kollegen vom technischen Verkehrszug in Dübendorf werden dann auf den Plan gerufen, wenn ein Unfallhergang nicht eindeutig ist oder die Aussagen der Involvierten und Zeugen widersprüchlich sind. Auch vertiefte technische Kontrollen führen die Spezialisten durch, zum Beispiel Tachoüberprüfungen oder die Überprüfung von Geschwindigkeitsdrosselungen bei Motorrädern.

 

«Die lückenlose Aufklärung ist gerade auch für Angehörige entscheidend.»

Florian Altherr, Sachverständiger Fahrzeugtechnik bei der Kantonspolizei Zürich

Mit geschultem Auge und der Unterstützung von technischen Hilfsmitteln ist es möglich, Fahrzeuge sehr genau zu untersuchen und Unfallhergänge zu simulieren. Moderne Fahrzeuge verfügen heute sogar über integrierte Systeme, welche relevante Daten direkt via GPS an die Fahrzeughersteller übermitteln und der Polizei im Bedarfsfall zur Auswertung zur Verfügung gestellt werden. «Die lückenlose Aufklärung ist nicht nur strafrechtlich und für Versicherungen wichtig, sondern bei schweren Ereignissen mit Todesfolge gerade auch für Angehörige entscheidend, um Klarheit zu haben. Denn nicht immer ist der Lenker auch der Unfallverursacher», sagt Altherr.

Im Vordergrund steht die Sicherheit
Bei technischen Fahrzeugkontrollen, dazu gehören zum Beispiel die Überprüfung von Ladegewichten und –Sicherungen, die Kontrolle von Reifenprofilen oder Bremsen, geht es vor allem darum, die Sicherheit im Strassenverkehr zu erhöhen, und nicht darum, Bussen zu verteilen. «In vielen Fällen genügt es, den Fahrzeughalter auf Mängel hinzuweisen oder ihn mit der Behebung des Mangels zu beauftragen und dies in einer Nachkontrolle bestätigen zu lassen.», sagt der gelernte Lastwagenmechaniker und Automobildiagnostiker. Und fügt hinzu: «Es gibt nicht immer gleich Bussen. Die Kontrollen sind vor allem dazu da, um präventiv zu wirken».

 

«Wenn wir auch nur einen Unfall verhindern können, ist das ein Erfolg.»

Florian Altherr


Schulung als wichtiger Teil der Arbeit
Die Mitarbeitenden der Kantonspolizei durchlaufen regelmässig Aus- und Weiterbildungen, um über neue Gesetzgebungen und technische Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein. Dazu bilden sie auch selber Personen aus, zum Beispiel Berufskollegen oder Mitarbeitende von Unternehmen, die begleitete Spezialtransporte durchführen müssen. Wissen weiterzugeben, ist Florian Altherr ein persönliches Anliegen: «Wenn wir durch die Schulungen und Wissensvermittlung auch nur einen einzigen Unfall verhindern können, ist das bereits ein Erfolg.»

Text und Foto: Tudor Dialog, Gossau