· 

«Lieber in einer WG als alleine im grossen Haus»

Rita Rotach möchte nicht aufs WG-Wohnen verzichten. Bild: Martina Gradmann
Rita Rotach möchte nicht aufs WG-Wohnen verzichten. Bild: Martina Gradmann

 

Rita Rotach wohntmit ihren 67 Jahren in ungewöhnlichen Wohnverhältnissen. Ihr grosses Haus in Gossau teilt sie sich mit
wechselnden Mitbewohnern. Doch die quirlige Spitex-Angestellte ist auch alles andere als gewöhnlich.

Bunts' Post: Rita, du wohnst in einer Wohngemeinschaft. Wie ist es dazu gekommen?

Rita Rotach: Als meine beiden Kinder auszogen, wollte ich nicht alleine im grossen Haus leben. Meine Tochter hatte eine Zeitlang noch mit Freunden hier gewohnt, ich kannte also das Zusammenleben mit anderen schon. Bei ihrem Auszug erneuerte ich alle Böden, und ein Handwerker fragte mich, ob ich nicht ein Zimmer in diesem grossen Haus vermieten würde. Also dachte ich mir, wieso eigentlich nicht.

 

Seit damals lebst dumit wechselnden Wohnpartnern und -Partnerinnen?

Genau. Im Moment sind das die 40-jährige Anja aus Deutschland sowie Yuriy und zeitweise auch seine Frau Nataliia aus der Ukraine. Sie sind beide 27. Drei tolleMitbewohner! Sie sind alleWG-kompatibel (lacht).

 

Hattest du immer Glück mit den Mietern oder gab es auch Enttäuschungen?

Oh ja, die gab es. Mieter mit Drogen- oder Alkoholproblemen zum Beispiel. Deshalb gibt es jetzt einen Drogenpassus im Mietvertrag. Aber auch eine Frau mit dem Borderline-Syndrom hat einmal hier gewohnt, was sehr schwierig war. Aber sonst hatte ich viel Glück, weil ich immer auf mein Bauchgefühl vertraut habe.

 

«Man hat meistens jemanden im Haus, mit dem man reden kann.»

Rita Rotach

 

Welches sind die Vor- und Nachteile einer Wohngemeinschaft?

Der erste Vorteil liegt auf der Hand: Das Wohnen wird günstiger. Und man hat meistens jemanden im Haus, mit dem man reden kann, wenn man will. Bei uns hat zwar jeder seineneigenen Kühlschrank, doch hin und wieder kochen und essen wir auch zusammen. Manchmal gibt es Diskussionen, weil es unterschiedliche Auffassungen von Sauberkeit gibt. Aber auch das haben wir mit einem Bestandteil des Mietvertrages gut geregelt.

 

Hast du schon vorher inWG's gewohnt?

Aufgewachsen bin ich in Luzern, die Schulzeit mit Erstausbildung absolvierte ich in Basel. Mit 20 zog ich nach Zürich und arbeitete – bis ich die Ausbildung zur praktischen Krankenpflegerin begann – im Stadtspital Triemli als gelernte Spitalgehilfin. Damals, 1972, war eine wilde Zeit. Das Statement «Make Love not War» wurde von vielen gelebt. Das Wohnen in WG’s war günstig und auch ich wohnte mit verschiedenen Kolleginnen zusammen, bis ich dann mit meinem Mann nach Grüningen zog, wo die Kinder aufwuchsen.

 

«In Gossau habe ich Wurzeln geschlagen.»

Rita Rotach

 

Wie lange wohnst du schon in Gossau undwas gefällt dir hier besonders?

In Gossau wohne ich seit 1997. Es gefällt mir sehr gut hier. Ich kann mit meinen Enkeln zu Fuss die schöne Umgebung erkunden und bin schnell in Zürich, wo ich Teilzeit bei der Spitex arbeite. Mein Arbeitspensum möchte ich kontinuierlich verringern und mit 70 dann ganz aufhören. Dass ich aber weiterhin in einer WG-Situation wohnen möchte, weiss ich schon jetzt. Ich habe hier Wurzeln geschlagen und möchte nicht mehr weg aus diesem Haus.


Mehr zum Thema