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Gossau: 75 Jahre Attilio Meyer AG

Attilio Meyer AG: Das Gossauer Familienunternehmen feiert Jubiläum. Bild: zvg
Attilio Meyer AG: Das Gossauer Familienunternehmen feiert Jubiläum. Bild: zvg

 

Die Attilio Meyer AG aus Gossau feiert ihr 75-Jahr-Jubiläum. Was 1945 in einer Dreizimmerwohnung in Zürich begann, ist heute ein schweizweit führendes Unternehmen für Leuchtwerbung, Digital Signage, Grossformatdruck, Beschriftungen und Werbesysteme. Bunts‘ Post traf Marc A. Meyer, Geschäftsleiter in dritter Familiengeneration, zum Gespräch.


von Barbara Tudor

Du bist seit bald 10 Jahren in der Geschäftsleitung. War für dich schon immer klar, den Betrieb einmal zu übernehmen?
Marc A. Meyer*: Ja. Ich war schon während der Schulzeit mehr im Betrieb als in der Schule (lacht).

Hatte die Familie von dir erwartet, dass du die Firma übernimmst?
Die Erwartung war sicherlich da. Es wurde «vorgespurt», aber ohne Druck.

Was ist das Schöne, in einem Familienunternehmen tätig zu sein, was ist schwierig?
Die kurzen Entscheidungswege, das Miteinander und die Nähe zu den Mitarbeitenden sind sicherlich sehr schöne Aspekte. Auf der anderen Seite sind klare Abgrenzungen zwischen Geschäft und Privatleben sehr wichtig. Manchmal ist es schwierig, das zu trennen.

Eltern haben oft Mühe, loszulassen. Wie lief das bei euch ab?
Wir hatten alle uns unsere eigenen Bereiche mit viel Gestaltungsfreiraum. Es kann aber nur einer der Häuptling sein, der schlussendlich entscheidet. Das war immer mein Vater. Heute handhaben wir das immer noch so, nur der Häuptling hat gewechselt.
 
«Werte wie Vertrauen, Verlässlichkeit und Konstanz waren meinem Vater wichtiger als Geld. Das ist heute immer noch so.»
Marc A. Meyer

Welche unternehmerischen Werte deiner Eltern sind auch dir wichtig?
Vertrauen, Verlässlichkeit und Konstanz.

Welche eigenen, neuen Werte hast du ins Unternehmen eingebracht?
Mein Vater war ein kleiner Patriarch. Ich setze auf Eigenverantwortung.

Hast du Veränderungen herbeigeführt, die früher undenkbar gewesen wären?
Die ganze Digitalisierung natürlich. Und eine gut strukturierte Auftragserfassung ohne Zettelwirtschaft.

Dein Vater ist vor einiger Zeit verstorben. Was hast du an ihm geschätzt?
Vertrauen, Verlässlichkeit und Konstanz waren ihm immer wichtiger als Geld. Das hat mich sehr geprägt. Seine Meinung zu gewissen Themen zu hören war immer spannend für mich – und meistens anders als erwartet.

«Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für die Basis, die sie geschaffen haben.»
Marc A. Meyer

Deine Mutter ist heute noch regelmässig im Betrieb. Welche Aufgaben übernimmt sie?
Sie schmeisst mit ihrem Team die ganze Buchhaltung und packt auch sonst überall mit an. Sie ist unkompliziert und geht mit der Zeit. Sie hat eine riesengrosse Erfahrung. Das hilft mir sehr. Ich bin ihr und meinem Vater sehr dankbar für die Basis, die sie geschaffen haben.

Deine Schwester Marina arbeitet im Unternehmen mit. Wie ist das: Du Chef, sie Mitarbeiterin?
Extrem unkompliziert. Wir arbeiten ja seit Klein auf zusammen. Ich muss da nicht den Vorgesetzten markieren. Sie hat ihren Bereich, den sie alleine betreut. Gewisse Entscheidungen treffen wir zusammen.

Du hast jung viel Verantwortung übernommen. Wie gehst du mit dem Druck um?
Gute Frage. Am besten schauen, dass der Laden läuft und man alle und alles bedienen kann. Ich bin sehr belastbar, das ist sicher eine meiner Stärken.


Was fasziniert oder begeistert dich an eurer Branche?
Sie ist schnelllebig und dynamisch. Vieles kommt kurzfristig und ist nicht planbar. Man muss flexibel und anpassungsfähig sein. Das macht die Arbeit sehr abwechslungsreich. Jeden Tag dasselbe zu machen, wäre für mich unvorstellbar.

Was machst du, wenn du gerade nicht arbeitest?
Ich habe eine liebe Frau und zwei tolle Kinder. Sie halten mich auf Trab. Ich bin ein Familienmensch und gerne zu Hause. Ich mag aber auch verschiedene Ausdauersportarten und die Berge.

Wie ist deine Erwartungshaltung gegenüber deinen Kindern bezüglich der Firma?
Ich habe da gar keine Erwartung und werde auch nicht vorspuren. Sie sollen sich frei entfalten und das machen, was ihnen Freude bereitet. Klar wäre es schön, die Firma in der Familie zu halten. Aber dafür ist es noch viel zu früh. Entweder es passt, oder eben nicht.

Was hat sich seit 2011 verändert?
Der Preisdruck ist enorm, die Mitbewerber aus dem Ausland drängen in den Schweizer Markt. Manchmal leidet auch die Wertschätzung, vieles wird als selbstverständlich angesehen. Es ist sicher nicht einfacher geworden und auch nicht unbedingt schöner. Das geht aber nicht nur uns so. Ich glaub das ist ein Problem dieser Zeit.

2013 hast du die „Digital Signage“ eingeführt. Welche Innovationen haben du und dein Team aktuell im Köcher?
Im Moment machen wir unsere ersten Feldversuche im 3D-Druck. Wir lieben die Herausforderung und sind offen, auch verrückte Ideen umzusetzen.

Die Wirtschaft geht durch eine schwierige Zeit. Inwieweit ist dein Unternehmen davon betroffen?
Leider sehr. Als Subunternehmer für viele Messebauer und Event-Agenturen fällt uns dieser Teil komplett weg. Auch alle anderen Bereiche sind schwach. Aktuell fehlt uns ein Drittel des Umsatzes.

Wo siehst du die Attilio Meyer AG in zehn Jahren?
Wir wollen nicht weiter wachsen, aber unsere Marktanteile halten. Das ist im Moment Herausforderung genug. Das mag zwar nicht sehr unternehmerisch klingen, aber wie es unser Vater schon vorlebte, ist nicht nur Gewinnmaximierung unser Hauptziel.

*Marc A. Meyer ist 1981 geboren und in Gossau ZH zur Schule gegangen. Direkt danach stieg er 1996 in das Familienunternehmen ein. 2011 hat er die Geschäftsführung übernommen. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Grüt.



Stationen in der Firmengeschichte

Die Geschichte der Atillio Meyer AG beginnt 1945 in Zürich. Attilio und Elsa Meyer verwandeln ihre Dreizimmerwohnung in ein Fotolabor. Als Projektionsfläche dient die Wohnzimmerwand, Küche und Bad sind gleichzeitig Labor, die Fotos werden im Kinderzimmer getrocknet. 1965 kam das Unternehmen nach Bertschikon, wo es ein Grossfotolabor baute. 1971 stellte Marco A. Meyer, der Sohn von Attilio und Elsa, die erste Farb-Grossvergrösserung her, 1985 erweiterte er das Angebot um die Leuchtwerbung. 2008 erfolgte der Umzug in die Produktionshalle am heutigen Standort. Die Leuchtwerbung wurde zu einem veritablen Metallbau ausgebaut. Seit 2011 konzentriert sich das Unternehmen stärker auf Gesamtbeschriftungen und Aussenwerbung. Das im 2013 erweiterte Geschäftsfeld „Digital Signage“ treibt den Metallbau und die Leuchtwerbung weiter voran. Das Unternehmen beschäftigt heute 53 Mitarbeitende. Weitere Informationen: www.attilio-meyer.ch