Grosses Fest zum 75-Jahr-Jubiläum des Nachtheuelvereins

 

Der Nachtheuelverein in Herschmettlen gehört zu den wenigen Junggesellenvereinen, die im Kanton Zürich noch existieren. Dieses Jahr feiert er sein 75-jähriges Bestehen mit einem ganz besonderen Fest.

 

von Barbara Tudor

 

Nur noch selten sind sie zu hören, die drei Böllerschüsse am Morgen um fünf Uhr in Herschmettlen, die der Dorfbevölkerung anzeigen, dass jemand aus Herschmettlen an diesem Tag heiraten wird. Diese alte Tradition des Hochzeitsschiessens wird von den Herschmettler Nachtheueln bis heute gepflegt.

Fremden Burschen Anstand lehren

Im Januar 1942, die Schweiz ist umrandet vom Weltkrieg, wird der Nachtheuelverein in Herschmettlen von Alois und Ferdinand Huber, Ruedi Jaussi, Hans Wunderlin, Oskar Baumann und anderen gegründet. Es ist ein Verein für Männer. Für unverheiratete Männer und Burschen, um genau zu sein. Bei der Gründung ging es im Kern darum, das Dorfleben zu überwachen und für Anstand im Dorf zu sorgen.

 

Quartalsversammlung der Nachtheuel im Restaurant Weinschenke, 1970

 

Aastand eintreiben und Liechtgänger aufstöbern

Eine der Bräuche war es, für das Einziehen des «Aastand» zu sorgen. Wenn sich ein Mädchen aus dem Dorf mit einem auswärtigen Burschen verheiraten wollte, so forderte der Verein von ihm ein Brautgeld in Naturalien. Das war in der Regel eine Einladung zu Speis und Trank. Weigerte sich der Bräutigam, das Brautgeld zu entrichten, so ergriff der Verein Sanktionen, zum Beispiel das «Brünnele»: der Mann wurde kurzerhand mit den Kleidern in den Brunnentrog geworfen.

 

Doch nicht nur das Einfordern des Brautgeldes gehörte zu den Aufgaben der Nachtheuel. Nach ihren Zusammenkünften, der sogenannten Stubete, nahmen sie eine weitere Kontrollfunktion wahr: die «Liechtgänger», ob einheimische oder auswärtige, bei ihrer Liebsten aufzustöbern und dort einen Trunk zu verlangen. Das geschah durch Klopfen ans Fenster oder an die vorsorglich heruntergelassenen Fallläden, wo durch deren Ritzen verdächtiges Licht schimmerte. Wenn also zum Beispiel der «Wilde-Ruedi» aus dem Schönbühl zur «Bohl-Elise» z'Liecht ging, bestiegen die Nachtbuben nicht selten die Reisigbeige vor den Stubenfenstern. Und wehe dem Liechtgänger und seiner Liebsten, wenn die Nachtheuel unverrichteter Dinge wieder herabsteigen mussten! Dann liessen sich die Männer und Burschen etwas einfallen. Wie zum Beispiel das Zubinden der Haustüre mit Stricken. Oder sie versperrten die Haustüre gar mit einer Holzbeige. Schlimmer erging es dem armen Kerl aber, wenn ihm die Nachtbuben auf dem Heimweg auflauerten…

«Wir mussten unsere Tradition zwar anpassen, aber auf den Aastand würden wir nie verzichten.»
Heinz Zimmermann, Nachtheuel

Gemässigte Nachtbuben
Die mitunter strengen Kontrollfunktionen und Aktivitäten hat der Verein inzwischen abgelegt. Heute steht vor allem das Gesellige im Vordergrund. Statt der nächtlichen Kontrollgänge unternehmen die Mitglieder heute gemeinsame Ausflüge, oder man trifft sich nach der Vereinsversammlung an einem öffentlichen Unterhaltungsanlass in der Region, um die Kameradschaft zu pflegen. An einem Brauch halten die Nachtheuel aber konsequent fest: am Einfordern des «Aastand». Das ist gar nicht so einfach, wie Heinz Zimmermann, langjähriges Mitglied der Nachtheutelvereins, erzählt: «Heute wird viel später geheiratet. Viele Herschmettler Frauen ziehen zudem vor der Heirat weg. So erfahren wir manchmal gar nicht, wenn jemand geheiratet hat. Wir sind schon froh, wenn wir eine Hochzeitseinladung erhalten.»

Aktiver Beitrag zu einem aktiven Leben im Dorf
Neben dem Hochzeitsschiessen zu Ehren des Hochzeitspaares tut der Verein viel für ein gelungenes Miteinander im schönen Weiler Herschmettlen. Sie arbeiten dabei eng mit dem Dorf- und Frauenverein zusammen. Sie organisieren gemeinsam verschiedene Anlässe wie Jugendtage oder Altersnachmittage. Einer der Höhepunkte ist das Nachtheuelfest, das seinen Ursprung in den 1950er-Jahren hat und jeweils ein ganz spezielles Unterhaltungsprogramm mit selbstgemachten Sketchen, Theatern und Musik bietet. Für das diesjährige 75-Jahr-Jubiläum hat sich der Verein wiederum viel einfallen lassen. Das Fest startet am 26. August um 14 Uhr mit einem Familienprogramm mit Spielen, Zauberer und Kinderschminken. Ab 19 Uhr ist die Festwirtschaft geöffnet, und ab 20 Uhr gibt's ein tolles Unterhaltungsprogramm mit Comedy, Live-Musik und choreografischen Höhepunkten. Die berühmt-berüchtigte «Eulenbar» fehlt natürlich auch nicht. Der Anlass findet in der Reithalle der Familie Krähenmann in der Fuchsrüti statt.


Jubiläums-Nachtheuelfest

Samstag, 26. August 2017, ab 14.00 Uhr

Reithalle der Familie Krähenbühl

Fuchsrütistrasse 64, 8626 Herschmettlen

 

Veranstalter: