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Angetroffen: Die zwei Damen von der Entsorgung

Eingespieltes Team: Jeannette Stasiowski und Helen Peter. Bild: bt
Eingespieltes Team: Jeannette Stasiowski und Helen Peter. Bild: bt

 

Alle haben sie schon gesehen, aber wohl nur die wenigsten kennen sie: Die beiden Damen von der Entsorgungsstelle in Unter-Ottikon. Was sie an ihrer Arbeit lieben und warum sie manchmal auch Seelsorgerinnen sind.

 

von Barbara Tudor

 

Fährt man zur Entsorgungsstelle, sieht man die beiden Frauen in ihren leuchtenden Arbeitskleidern sofort. Es sind Jeannette Stasiowski und Helen Peter. Seit  vielen Jahren kümmern sie sich darum, dass der herangebrachte Abfall an den richtigen Platz und von dort wieder weg kommt. Wie ein Familienbetrieb Jeannette wohnt im Grüt und arbeitet schon seit über 20 Jahren auf der Entsorgung. Davor arbeiteten ihr Vater und ihre Schwester dort. Eine Weile lang  führten sie den Betrieb zu dritt. Unterstützung hatten sie einige Jahre auch von Brigitte Rubli aus Gossau. Als ihr Vater altershalber aufhören und auch die  Schwester etwas anderes machen wollte, übernahm Jeannette.


Ein Geschenk vom Himmel

Als Familienfrau und Mutter von zwei Töchtern, war das Teilzeitpensum ideal für Jeannette. Doch sie wusste, dass sie das nicht ewig alleine prestieren konnte.  Eines Tages kam Helen Peter zur Entsorgung. Die beiden kamen ins Gespräch, Helen fragte: «Ich suche einen Job. Weisst du etwas?». Das war für Jeannette  wie ein Geschenk vom Himmel. Kurze Zeit später stieg Helen ein. Das war vor zehn Jahren.

 

Eingespieltes Frauenteam

Seither betreiben die beiden die Entsorgung gemeinsam. Jeannette: «Wir können uns 100 Prozent aufeinander verlassen.». Helen: «Wir müssen uns nur  anschauen und verstehen uns sofort. ». Beide schätzen das selbständige arbeiten und den Kontakt mit den Menschen. Auch wenn es bei Regen und Kälte  nicht immer angenehm ist, machen sie ihre Arbeit trotzdem gerne. «Wir sind an der frischen Luft. Das hält jung!», sagt Jeannette lachend.

 

«Wir lieben den Kontakt mit den Menschen.»
Jeannette Stasiowski und Helen Peter

 

Blitzableiter und  Seelsorgerinnen

Natürlich ist in ihrem Alltag nicht immer alles rosig. Sie müssen sich auch mal blöde Sprüche anhören, zum Beispiel, wenn ein bestimmter Abfall  kostenpflichtig ist. «Wir sind da manchmal schon die Blitzableiter. Aber nach so vielen Jahren prallt das an uns ab.». Statt sich darüber zu ärgern, freuen sie sich lieber über die vielen schönen Kontakte. Viele kennen sie schon lange und sind den beiden ans Herz gewachsen. «Wir sind nicht nur Entsorgungsstelle. Die  Menschen freuen sich auch, wenn man ein paar nette Worte mit ihnen wechselt», so Helen. Das sei gerade während des Lockdowns spürbar gewesen. Helen lachend: «Ich glaube, halb Gossau hat seine Keller und Estriche geräumt». Im Lockdown gab es deshalb auch mal längere Wartezeiten. Jeannette: «Die Leute  waren aber froh, dass wir überhaupt offen hatten.».

 

Brautkleid im Koffer, Schmuck im Stiefel

In all den Jahren haben sie auch Lustiges erlebt. Einmal habe ein Mann einen Koffer zur Tauschecke gebracht. Kurze Zeit später sei er aufgebracht  zurückgekommen und habe sich nach dem Koffer erkundigt. Offenbar bewahrte seine Frau ihr Brautkleid darin auf, von dem er nichts wusste. Leider war der  Koffer weg und mit ihm das Brautkleid. Auch die Geschichte vom versteckten Schmuck in Stiefeln bleibt unvergessen: «Eine alte Dame, die regelmässig in der Tauschecke vorbeischaute, nahm freudig ein Paar Gummistiefel mit. Zu Hause entdeckte sie darin Schmuck, den wohl jemand darin verstecken wollte. Die  Dame brachte den Schmuck natürlich zur Polizei.».

 

Viel Arbeit im Hintergrund

Die Damen sind nicht nur dafür besorgt, dass der Abfall am richtigen Ort entsorgt wird. Zu den Aufgaben von Jeannette gehören auch administrative Arbeiten.  Seien das die Gebühren-Abrechnungen oder das Führen der Kasse. Auch das Aufbieten der Abholer und das Bereitstellen der Container gehört in das  Aufgabengebiet der beiden. Das 40-Prozent-Pensum von Jeannette ist damit gut gefüllt. Arbeitet sie gerade nicht, kümmert sie sich um ihre bald 90-jährigen Eltern. Auch Helen wird’s nicht langweilig: Die Mutter von drei erwachsenen Kindern arbeitet im 50%-Pensum für die Spitex und geht putzen.

 

Spätestens nach dem Gespräch mit den beiden ist mir klar: Damit wir unseren Abfall loswerden können, ist viel Arbeit von anderen nötig. Ich persönlich bin nicht nur dankbar, meinen Abfall im Dorf entsorgen zu können, sondern auch, dabei so herzlichen Menschen wie den beiden zu begegnen. Danke für eure wertvolle Arbeit!