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Drei Generationen auf einem Hof

Die Familie Pflugshaupt ist glücklich mit ihrer Wohnsituation. Bild: Martina Gradmann
Die Familie Pflugshaupt ist glücklich mit ihrer Wohnsituation. Bild: Martina Gradmann

 

Hoch über Gossau liegt der Hof der Familie Pflugshaupt. Während Simon und Manuela Pflugshaupt mit ihren Kindern das Haupthaus bewohnen, wohnen Kurt und Claudia Pflugshaupt im nahegelegenen Stöckli. So wie zuvor schon die Grosseltern.

 

von Martina Gradmann

 

Die Aussicht ist atemberaubend, der Name Programm. «Frohe Aussicht» heisst der idyllische Hügel, auf dem der Hof der Pflugshaupts liegt. Und froh ist auch die Grossfamilie, die hier wohnt. «Es gibt einfach einen guten Stern hier oben», drückt es Claudia Pflugshaupt aus. Sie und ihr Mann Kurt wohnen mittlerweile im Stöckli, das Haupthaus wird heute von Sohn Simon, seiner Frau Manuela und den drei Kindern Fabian, Leona und Janina bewohnt.

 

«Bei uns funktioniert die Betriebsgemeinschaft sehr gut.»
Simon Pflugshaupt

 

Den Hof von seinem Vater übernommen

2018 hat Simon den Hof seines Vaters übernommen und führt ihn gemeinsam mit seinem Cousin Lukas Pflugshaupt in einer Betriebsgemeinschaft. Vater Kurt und Onkel Ernst arbeiten weiterhin zusammen mit ihren beiden Söhnen auf dem Betrieb. Die vier betreiben Milchwirtschaft, Pouletmast und Ackerbau. «Viele haben meinem Vater und Onkel schon vor 30 Jahren von einer Betriebsgemeinschaft
abgeraten, aber bei uns funktioniert sie bis heute noch sehr gut», sagt der Jungbauer. Das habe auch mit den wöchentlichen Sitzungen zu tun, welche die vier Männer zusammen abhalten, sowie die Betriebssitzungen, die sporadisch und mit den Partnerinnen stattfinden. Simon ist mit zwei Geschwistern auf dem Hof aufgewachsen und hat nach seiner Lehre zum Telematiker eine Zweitausbildung zum Landwirt  gemacht. «Obwohl ich oft auf dem Hof mitgeholfen habe, erwachte die Leidenschaft zur Landwirtschaft erst mit 20 Jahren», sagt der junge Gossauer. Er und Manuela wohnten nach dem Tod der Grossmutter zuerst im Stöckli, doch nach der Geburt des zweiten Kindes wurde klar,  dass es aus Platzgründen einen Haustausch brauchte. «Es war nicht ganz einfach, das Haupthaus mit seinem heimeligen Holz zu verlassen, aber wahrscheinlich ist es meiner Schwiegermutter damals auch so gegangen», sagt Mutter Claudia.

 

«Es war nicht ganz einfach, das Haupthaus zu verlassen.»

Claudia Pflugshaupt

 

Gegenseitige Unterstützung

Das Verhältnis zwischen den Generationen ist herzlich. Beide Frauen arbeiten neben der gelegentlichen Mithilfe auf dem Hof noch auswärts, Claudia in der Palliative Care  und Manuela als Fachfrau Gesundheit. Sie unterstützen sichgegenseitig mit Essen kochen und Kinder hüten. «Meine Schwiegermutter ist wie eine Mutter für mich, wir haben ein sehr gutes Verhältnis», sagt Manuela. Claudia ist Grossmutter mit Leib und Seele und froh, wenn sich ihr Mann Kurt, während sie arbeitet, zu den Jungen an den gedeckten Tisch setzendarf. Auch Kurt sieht im Zusammenleben nur Vorteile und schätzt die Beziehung zu den Kindern und Enkelkindern. Er lebe gerne in Gossau, weil man hier noch viele kenne, auch wenn Gossau sehr gewachsen sei. Das sieht auch Simon so, der sich, wie schon sein Vater, in der Feuerwehr engagiert. «Wie sich der Hof in den nächsten Jahren entwickeln wird, wissen wir noch nicht», sagt der Jungbauer, «das kommt ganz darauf an, in welche Richtung sich die Agrarpolitik bewegt». Doch diesen idyllischen Fleck in Gossau, werden die drei Generationen wohl kaum je verlassen.


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