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Lindi-Käse: Erster Zürcher Oberländer Salzlakenkäse kommt aus Herschmettlen

Der „Lindi-Käse“ wird in der Gemeinde Gossau ZH produziert. Bild: zvg
Der „Lindi-Käse“ wird in der Gemeinde Gossau ZH produziert. Bild: zvg

 

Stefan Bürki von der Käserei Herschmettlen produziert den ersten Zürcher Oberländer Salzlakenkäse auf der Basis von pasteurisierter Kuhmilch. Die Produktinnovation ist das Ergebnis eines erfolgreichen Schweiz-Balkan-Projektes.

 

von Barbara Tudor

 

Im Rahmen eines Innovations-Projektes mit dem „Strickhof“, dem Kompetenzzentrum für Agrar-, Lebensmittel- und Hauswirtschaft in Lindau, sowie dem Zürcher Bauernverband, entwickelten mehrere Beteiligte den ersten Zürcher Oberländer Salzlakenkäse. Produziert wird er in der Käserei Herschmettlen, die Vermarktung übernimmt die neu gegründete Gossauer Aabachhof Umwelt und Ernährung GmbH.

 

Auf Besuch in Pristina bei der kosovarischen Handelsministerin: Karl Kupper, Ministerin Rozeta Hajdari, Daniel Wäfler, Zija Shabani (v.l.n.r.)
Auf Besuch in Pristina bei der kosovarischen Handelsministerin: Karl Kupper, Ministerin Rozeta Hajdari, Daniel Wäfler, Zija Shabani (v.l.n.r.)

Know-how aus der Schweiz und dem Kosovo

Die Idee, einen Salzlakenkäse herzustellen, entstand auf einer Bildungsreise nach Kosovo im Februar 2020. Karl Kupper aus Wetzikon, Ing. agr. ETH und Lehrperson am Strickhof, Zija Shabani, Unternehmer aus Untersiggenthal AG, sowie Daniel Wäfler, dipl. Agrotechniker und Kantonsrat aus Gossau ZH, wollten herausfinden, wie die kosovarische Landwirtschaft durch Berufsbildung gefördert werden könnte. Daraus ist das Projekt zur Entwicklung eines Salzlakenkäses aus Schweizer Kuhmilch entstanden. In der Balkan-Region gehört Salzlakenkäse zum täglichen Speiseplan. In der Schweiz gebe es mit ca. 500‘000 Menschen aus dem Balkan einen gewichtigen Markt für den Schweizer Salzlakenkäse, so die Initianten. Auch Herr und Frau Schweizer würden immer mehr Gefallen an dem mediterranen Käse finden, der in seiner Produktionsart dem mit Schafmilch hergestellten Fetakäse ähnelt und vielseitig einsetzbar ist.

 

«Der Lindi-Käse fördert die regionale Wirtschaft, unterstützt eine moderne und ökologische Landwirtschaft und verbindet Kulturen.»
Daniel Wäfler, Projektleiter Lindi-Käse

 

Ein erfolgreiches Förderprojekt

Im Juli 2020 meldeten die Initianten das Projekt bei der Jury von «Innovativi Puure» an, einem Förderinstrument vom Strickhof und dem Zürcher Bauernverband für innovative landwirtschaftliche Ideen. Diese sagte ihre Unterstützung zu. Damit erhielten die Initianten neben einem einmaligen Projektbeitrag vor allem fachliche Unterstützung von Ernst Friedli, Milchwirtschaftlicher Berater, und Dany Schulthess, Leiter höhere Berufsbildung Marketing am Strickhof. «Trotz der aktuell schwierigen Corona-Situation konnte innerhalb weniger Monate ein Produkt samt Marke entwickelt werden», sagt Daniel Wäfler stolz.

 

Aus Herschmettler Kuhmilch hergestellt

«Bisher wird Salzlakenkäse fast ausschliesslich importiert, was ökologisch und ökonomisch wenig Sinn macht, da die Schweiz genug Milch hat und teils Käse mit Exportsubventionen ins Ausland absetzt», sagt Daniel Wäfler. Die Milch für den Lindi-Käse hingegen stammt ausschliesslich von Kuhmilch aus Herschmettlen. Die Milch wird täglich frisch und ohne Umwege zur Käserei in Herschmettlen transportiert, wo sie vom Käsermeister Stefan Bürki direkt zum Lindi-Käse verarbeitet wird. «Damit ist sichergestellt, dass dieser Käse nach Schweizer Tierschutz- und Umweltstandards produziert wird», so Wäfler.

 

«Es wäre schön, wenn unsere Idee auch die Wirtschaft in Kosovo inspiriert und den Menschen vor Ort Perspektiven eröffnet.»
Zija Shabani, Mitinitiant

 

Ein Käse, der verbindet

«Der Zürcher Oberländer Salzlakenkäse fördert die regionale Wirtschaft, unterstützt eine moderne, ökologische Landwirtschaft und verbindet Kulturen», sagt Daniel Wäfler zu bunts.ch. Mit der Produktion des neuen Käses könne für die Milchproduzenten ein zusätzlicher Absatzkanal mit fairem Milchpreis geschaffen werden. Zudem würden durch dieses innovative Produkt  auch KMU-Familienbetriebe wie jener von Stefan Bürki gestärkt. «Ein weiteres Ziel ist, dass das auf Schweizer Normen basierende Know-how der Käseherstellung in den Balkan getragen werden kann, damit das dortige Gewerbe mehr Salzlakenkäse mit lokaler Milch herstellen kann», so Wäfler. Denn derzeit liege der Selbstversorgungsgrad von Kosovo bei sehr tiefen 30 Prozent. Ein Grossteil des Käses werde importiert. «Es wäre schön, wenn unsere Idee auch die dortige Wirtschaft inspiriert und den Menschen vor Ort Perspektiven eröffnet», sagt der aus Südserbien stammende Schweizer Bürger Zija Shabani, der ethnischer Albaner ist und seit seinem zweiten Lebensjahr in der Schweiz lebt.

 

Schweizweiter Vertrieb geplant

Am 6. November 2020 fand die feierliche Käsetaufe im Strickhof in Lindau statt. Der Käse ist derzeit an vier Standorten erhältlich: bei der Käserei Herschmettlen, dem Hoflädeli Allegra in Ottikon, der „Chäs-Hüttä“ in Grüningen und auf dem Gossauer Aabachhof von Daniel Wäfler. «Geplant ist, dass der Käse via Detailhandel bald an vielen Orten im Zürcher Oberland und mittelfristig auch in weiteren Regionen der Schweiz erhältlich ist», sagt Zija Shabani. Für den Vertrieb hat Daniel Wäfler die Firma Aabachhof Umwelt und Ernährung GmbH gegründet, bei der Zija Shabani die Vertriebsleitung übernimmt.

 

Weitere Informationen: www.lindi-käse.ch


Name zu Ehren vom Strickhof Lindau

„Lindi“ ist die Abkürzung der Gemeinde Lindau im Bezirk Pfäffikon, wo mit dem Bläsihof im Jahr 1824 die wohl älteste Landwirtschaftsschule der Schweiz gegründet wurde und wo der heutige Strickhof eine der modernsten landwirtschaftlichen Bildungsinstitutionen der Schweiz ihren Sitz hat. Mit der Namensgebung wollten die Initianten diese Institution und ihr Engagement für das Projekt würdigen.

Degustationstage im Dezember!

Direkt-Verkauf ab Hof mit gratis Käse-Degustation

 

5. / 12. und 19. Dezember 2020
jeweils von 10.00 - 16.00 Uhr

 

auf dem Aabachhof der Familie Wäfler

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