· 

«Ich möchte Freude in die Gossauer Haushalte bringen»

Herausgeberin und Betreiberin von bunts.ch: Barbara Tudor. Foto: Michael Rieder Photography, Grüt
Herausgeberin und Betreiberin von bunts.ch: Barbara Tudor. Foto: Michael Rieder Photography, Grüt

 

Als Barbara Tudor vor sieben Jahren mit ihrer Familie nach Gossau zog, fehlte ihr eine zentrale Plattform, wo man sich über das Dorf und seine Aktivitäten informieren kann. Kurzerhand gründete sie die Facebook-Seite "Bunts" und startete die mittlerweile rege genutzte Website bunts.ch. Jetzt kommt neu die "Bunts' Post" in gedruckter Form dazu.

 

 

Martina Gradmann*


bunts.ch funktioniert sowohl in den sozialen Medien als auch als Website sehr gut und wird rege genutzt. Weshalb jetzt noch eine Zeitung in Papierformat?
Es gibt viele Menschen, die sich neben Internet und Social Media auch gerne in gedruckter Form über das Dorfleben informieren. Online kann viel und hat etliche Vorteile, aber es kann eben nicht alles. Die Zeitung sehe ich als nützliche Ergänzung.

In Gossau gibt es bereits seit vielen Jahren die "Gossauer Info". Weshalb ein zweites Angebot?
Das ist ganz einfach: Ich wurde in den vergangenen Monaten im Dorf darauf angesprochen, ob ich nicht auch eine Zeitung herausgeben möchte. Das hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht. Da mein Herz als Verlagsfachfrau auch fürs Gedruckte schlägt, hat es mich gereizt, das genauer zu prüfen. Nachdem eine Umfrage beim Gewerbe und den Vereinen positiv ausgefallen ist, habe ich mich dazu entschlossen.

«Ich biete mit bunts.ch eine Plattform, um miteinander im Dialog zu sein.»
Barbara Tudor

Braucht es in Gossau wirklich zwei Printmedien?
Die "Gossauer Info" erscheint vier Mal im Jahr, die "Bunts' Post" zwei Mal. Ich denke, dass sechs Ausgaben für eine Gemeinde mit 10'000 Einwohnern realistisch und nützlich sind. Ich sehe die "Bunts' Post" als schöne Abwechslung zum bestehenden Medienangebot.

Was unterscheidet die Bunts' Post von der Gossauer Info?
Zum einen durch das Format und das redaktionelle Konzept. Zum anderen bietet die "Bunts' Post" eine einzigartige Verbindung zu den Online-Medien. Und: Während die "Gossauer Info" jährlich 30'000 Franken von der Gemeinde erhält, finanziert sich bunts.ch und die "Bunts' Post" aus eigenen Kräften.

Was wird man in der Bunts' Post lesen können?
Grundsätzlich das gleiche wie auf bunts.ch: Aktuelles und Hintergründiges über Gossau, gepaart mit Informationen über das Gewerbe, Porträts und Unterhaltung. Ich erfinde das Rad mit dieser Zeitung nicht neu, aber wenn ich damit Freude in die Gossauer Haushalte bringen kann, bin ich glücklich.

Ist Information als gedrucktes Zeitungsformat nicht ein Auslaufmodell?
Bezahlte Printmedien haben es schwer, keine Frage. Aber bei all der Digitalisierung, den vielen E-Mails und sozialen Medien gewinnt das gedruckte Wort meiner Meinung nach wieder an Bedeutung. Printmedien werden nicht aussterben. Es ist nur die Frage, wie sie aufbereitet und an die Menschen herangetragen werden.

Du hast vor gut zwei Jahren bunts.ch gegründet. Was war deine Motivation?
Als ich im 2012 mit meiner Familie vom Zürichsee nach Gossau gezogen bin, war es als Auswärtige gar nicht so einfach, die Gemeinde mit ihren Wachten und Strukturen zu begreifen. Mir persönlich fehlte eine zentrale Plattform, wo man sich schnell und einfach über das Leben im Dorf informieren kann und die auch die sozialen Medien einbindet. In unserer Gemeinde gibt es so viel Schönes und Spannendes. Diese Perlen wollte ich an die Oberfläche bringen. So startete ich spontan mit der Facebook-Seite und fing an, die ersten Beiträge über Gossau zu veröffentlichen.

Aber dabei ist es nicht geblieben…
(Lacht) Nein. Innert kürzester Zeit hatte ich etliche Followers, und ich merkte, dass ich das alles nicht nur über Facebook abwickeln kann. So lancierte ich wenige Monate später die Website bunts.ch und nahm Instagram und Twitter hinzu.

Weshalb kommt bunts.ch so gut an?
Ich denke das liegt daran, dass bunts.ch bewusst die schönen und positiven Seiten von Gossau in den Mittelpunkt stellt. Die Menschen freuen sich über die Nachrichten aus ihrem direkten Umfeld, über die Veranstaltungshinweise und über die Möglichkeit, sich miteinander auszutauschen.

Verdienst du mit bunts.ch Geld?
Hätte ich den Profit im Sinn, würde ich bunts.ch nicht betreiben. Zeitweise nimmt bunts.ch ein 50-Prozent-Pensum ein. Das wird mit den bescheidenen Werbeeinnahmen bei weitem nicht gedeckt. Ich sehe bunts.ch als persönlichen Beitrag fürs Dorf. Meine Brötchen verdiene ich mit meiner Firma.

* Die freie Journalistin und Texterin Martina Gradmann lebt und arbeitet in Grüningen.

Über Barbara Tudor
Barbara Tudor-Dohner ist 1975 geboren und in Grüningen aufgewachsen. Nach der KV-Lehre bildete sie sich im Bereich Marketing weiter und absolvierte berufsbegleitend das Nachdiplomstudium in Betriebsökonomie. Sie war über 15 Jahre in der Printmedienbranche tätig, unter anderem als Verlagsleiterin der «Zürichsee-Zeitung» in Stäfa. Seit 2015 ist sie selbständig tätig und betreut mit ihrer Firma kleine und mittelgrosse Unternehmen in den Bereichen Marketing, Kommunikation und PR. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Gossau. www.tudordialog.ch