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Kunstschaffende: Es braucht jetzt Optimismus und Perspektiven

Puppenspieler Tobias Loosli nutzte die Corona-Zeit für Arbeiten an seinem Zauberwagen. Bild: zvg
Puppenspieler Tobias Loosli nutzte die Corona-Zeit für Arbeiten an seinem Zauberwagen. Bild: zvg

 

Sie waren die ersten und am längsten betroffenen der Corona-Krise: Musiker, Schauspieler und Veranstalter. Durch das Veranstaltungsverbot und die Einschränkungen entfiel nicht nur das Einkommen, es stellten sich auch viele Sinnfragen zu ihrer Tätigkeit und Fragen zum Wert der Kultur. Ein paar Gossauer und Grüninger Künstlerinnen und Künstler erzählen.

 

von Martina Gradmann

 

Freut sich auf die Konzerte im Oktober und Dezember: Thomas Weber von Finn's Finale. Bild: zvg
Freut sich auf die Konzerte im Oktober und Dezember: Thomas Weber von Finn's Finale. Bild: zvg

Gefehlt habe ihm die gute Zeit mit der Band, sagt der Ottiker Musiker Thomas Weber von der Band «Finn’s Finale» zur Corona-bedingten Zwangspause. «Die Online-Proben in der Zeit empfand ich als anstrengend». Kürzlich veröffentlichten sie die neue Single «Chunt guet» auf Youtube und erreichten damit schnell über 12'000 Klicks. Auch bei Radio Zürisee wurde der Song gespielt. «Das war toll, doch wir würden lieber live und vor Publikum spielen». Darum freut sich die Band, dass es im Oktober in Bern und im Dezember in Wetzikon wieder soweit ist. «Zum Glück hatte ich in meinem Beruf als Maler genug Arbeit. Aber ich befürchte, dass Corona uns noch länger beschäftigen wird». Auch seine Frau, Nadja Breitenstein, konnte während des Lockdowns nicht als Spital-Clownin arbeiten und auch nicht als Musikerin auftreten. «Mir hat der kreative Ausdruck gefehlt.», sagt die zweifache Mutter.

 

«Durch Corona wurde der Mensch zu Veränderungen gezwungen, die er freiwillig nie gemacht hätte.»

Tobias Loosli, Puppenspieler

 

Die Künstler scheinen vergessen
Der Lockdown habe ihn anfangs gelähmt, erzählt der Herschmettler Puppenspieler Tobias Loosli. «Viele Vorstellungen waren geplant und dann war plötzlich nichts mehr. Schulveranstaltungen, Zaubervorstellungen – alles gestrichen.». Jetzt ziehe es langsam wieder an. Für September und Oktober seien Vorstellungen gebucht. «Durch Corona wurde der Mensch zu Veränderungen gezwungen, die er freiwillig nie gemacht hätte». Loosli begann nach der ersten Schockstarre zu lesen, schwimmen, betätigte sich im Garten und begann an seinem Zauberwagen zu bauen. Den Fokus will er jetzt auf Schulprojekte, die Zauberei und den Flohzirkus legen.

 

«Kultur ist vielleicht nicht systemrelevant, aber es braucht sie für die Seele.»
Barbara Stehli, Schauspielerin und Clownin aus Grüningen

Barbara Stehli, Schauspielerin und Clownin aus Grüningen. Bild: zvg
Barbara Stehli, Schauspielerin und Clownin aus Grüningen. Bild: zvg

Kunst für die Seele
«Es hat sich angebahnt und doch konnte ich es fast nicht glauben», sagt die Schauspielerin und Clownin Barbara Stehli aus Grüningen. Fassungslos sei sie nach all den Absagen gewesen und im Lockdown zuerst einmal erstarrt. «Alles war mit viel Aufwand aufgegleist. Und dann war Funkstille. Keine Mails, keine Anrufe.» Stehli ging wandern, spazieren und suchte das Gespräch mit anderen Schauspielern. «Ich fragte mich ernsthaft, ob es uns überhaupt braucht.» Heute ist sie dankbar für die vielen positiven Feedbacks und zunehmenden Anfragen. «Schauspielern ist das, was ich kann und liebe. Kultur ist vielleicht nicht systemrelevant, aber es braucht sie für die Seele.». Umso mehr freut sich Stehli auf die Premiere ihres Stücks «Kopfgeburt», das sie im Oktober im Sternenkeller Rüti präsentieren wird, und auf die geplante neue Künstlerplattform «Openstage», die sie ab Januar mit anderen Schauspielern und kreativen Köpfen im Zürcher Oberland durchführen wird.

 

Private Gartenkonzerte
Hart getroffen hat es auch die Grüningerin Caroline Edwards. Sie, die mit «Grüningen Sessions» und «TOURBOmusic» unzähligen Musikern Auftritte ermöglicht, sah ihre Passion gefährdet. «Plötzlich wurden gebuchte Auftritte abgesagt, die Grenzen gingen zu und die Künstler konnten nicht mehr einreisen. Die ganzen Vorbereitungen und Verträge, alles war für die Katz». Weil die finanzielle Lage für die frischgebackene Schweizerin eng wurde, ist sie froh, dass sie sich auf ihren regulären Beruf als Anwältin stützen kann. Doch weil Caroline Edwards für die Musik brennt, stellte sie mit TOURBOmusic kurzerhand ein Konzept für Gartenkonzerte auf die Beine. Das Angebot komme gut an. Edwards: «Seit Juni haben wir fast 30 Konzerte für unsere Schweizer Künstler organisiert. Die Menschen freuen sich, dass sie tolle Live-Musik in ihren Gärten geniessen können.»