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Offener Brief: «Es reicht!»

Nervenprobe für Eltern und Aussenstehende: Quängelndes Kind beim Einkaufen (Symbolbild)
Nervenprobe für Eltern und Aussenstehende: Quängelndes Kind beim Einkaufen (Symbolbild)

 

Beim Einkaufen in einem Gossauer Geschäft bekam Stephanie* eine unschöne Situation mit. Sie erzählt davon in ihrem offenen Brief an die bunts-Community.

 

Vermutlich hat jede Mutter und jeder Vater es schon erlebt: Beim Einkaufen beginnt das eigene Kind zu quängeln, zum Beispiel an der Kasse, weil es etwas von den so schön präsentierten Süssigkeiten haben möchte. Sagen die Eltern dann Nein, kann schon mal ein Gequängel losgehen - oder in lautem Geschrei enden. Die meisten von uns werden so eine Situation auch schon als Aussenstehende miterlebt haben. Für alle Beteiligten - für die Eltern wie auch für alle anderen - ist das unangenehm. Hand aufs Herz: Da neigt man als unbeteiligte Person schon mal dazu, sich vorschnell eine Meinung über die Erziehungskünste der Eltern zu bilden, die Augen zu verdrehen und vielleicht sogar einen blöden Spruch fallen zu lassen. Doch was Stephanie* aus Grüningen neulich in einem Gossauer Geschäft mitbekommen hat, ist dann wohl doch zu viel des Guten. In einem offenen Brief wendet sie sich an die bunts-Community und schildert das Erlebte. (bt)


Am vergangenen Freitag habe ich mitbekommen, wie ein zweijähriges Mädchen an der Kasse eines Gossauer Geschäfts von zwei Fremden in rauem und lautem Ton angeblafft wurde. Der Grund? Weil sie lautstark schrie. Sie wollte etwas haben, die Mutter hatte Nein gesagt. Ihren Unmut brachte die Kleine durch lautes Geschrei zum Ausdruck. Das ist unangenehm. Und es ist nur verständlich, dass sich einige Kunden durch den Lärm belästigt fühlten. So auch das Paar an der nächsten Kasse. Die Frau mittleren Alters und der ältere Herr - beide mit Mundmaske - drückten ihren Unmut entsprechend laut und deutlich aus. Sie schrien rüber: «Es reicht!!!».

 

Der Mutter war die Situation sichtlich unangenehm. Sie reagierte auf die raue Zurechtweisung mit «Halten Sie bitte den Mund. Sie haben entweder keine Kinder oder Sie haben vergessen, wie es sein kann.» Doch das Paar liess nicht locker. Sie warfen der Mutter vor, ihr Kind nicht im Griff zu haben. So etwas hätten sie noch nie erlebt usw. Die Frau wehrte sich ruhig und bestimmt: «Lassen Sie mich in Ruhe und kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten». Doch dann setzte der Mann einen obendrauf: «Mit so primitiven Menschen wie Sie es sind, geben wir uns gar nicht ab.». Die Mutter kontert: «Wenn ich so primitiv bin, wieso mischen sie sich dann überhaupt ein?»

 

Das frage ich mich auch. Für die Mutter war es ganz offensichtlich schrecklich, so blossgestellt zu werden.

Wie kann man sich so respektlos gegenüber seinen Mitmenschen verhalten?

* Name geändert (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt). bunts.ch kann die Darstellung nicht überprüfen und übernimmt keine Gewähr für Inhalt und Richtigkeit.


Frage an die bunts-Community

Was ist eure Meinung dazu? Habt Ihr sowas auch schon erlebt, als Eltern oder als Aussenstehende? Habt Ihr einen Tipp, wie man sein Kind in so einem Moment abholen und beruhigen kann?

Schreibe deinen Kommentar! Wie immer sachlich und fair. Danke!

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Kommentare: 9
  • #1

    MG (Donnerstag, 09 Juli 2020 07:49)

    Diese Situation ist sicher allen Eltern bekannt. Ich habe zu meinem Sohn ganz ruhig gesagt wenn ich fertig mit bezahlen bin gehen wir nochmals in den Laden und du darfst die ein Pack Nudeln kaufen. Ja Nudeln wir waren sicher 10 Minuten beim Regal und er hat gestaunt wieviel Varianten es gibt. Seit diesem Tag hatte ich immer genug Reserven zu Hause und es ist heute noch sein Lieblingsgericht. Alles Gute

  • #2

    SP (Donnerstag, 09 Juli 2020 17:36)

    Wenn ich das als Aussenstehende mit bekomme, muss ich meist ein wenig schmunzeln und die betroffenen tun mir leid, denn ich erlebe das selbst auch manchmal mit meiner grossen. Aber als Aussenstehende so zu reagieren ist sehr unschön. Wenn man sich gestört fühlt, dürfte man das aber auch etwas netter formulieren…wenn man es dann überhaupt für nötig hält was zu sagen.
    Inzwischen haben wir, bevor wir einkaufen gehen eine Vereinbarung miteinendar, dass wenn sie sich anständig benimmt, auch eine Belohnung bekommt. Sei das etwas direkt beim Einkauf oder danach zu Hause, das machen wir auch bereits im Voraus ab. Seither gelingt es uns meist ohne grosses Drama. Schliesslich sind es immer noch Kinder, welche viel vom Leben zu lernen haben.

  • #3

    Michael Uetz (Donnerstag, 09 Juli 2020 17:36)

    Jedes Kind ist anders, dementsprechend gibt es nicht eine sondern Abertausende von Lösungen oder Möglichkeiten. Die Eltern kennen meist Ihr Kind an besten, aber auch dann ist es nicht jeden Tag gleich, manchmal funktioniert es so manchmal auch auch nicht. Vernünftig bleiben, probieren, erklären und manchmal hat auch hart bleiben. Das alles gehört dazu, manchmal ist es nicht einfach, dass war es aber mit uns auch nicht, oder? Gemeinsam eine Lösung suchen.

  • #4

    J (Donnerstag, 09 Juli 2020 18:28)

    Hallo Zusammen
    Ich habe diese Situation am letzten Freitag live mitbekommen und dieses Verhalten des Paares geht gar nicht. Ich konnt nur den Kopfschüttel und fand die Mutter hat genau richtig reagiert. Dieses Paar ist mir vorher im Laden schon aufgefallen weil sie sich so benommen haben als wären sie aleine im Laden. Ich stand vor dem Kühler mit den Joghurts um diese aus dem Kühler zunehmen die ich kaufen wollte und er sagte mir ich söll auf die Seite gehen den er müsse an den Kühler und er möchte nicht von mir angesteckt werden mit Corona. Mein Tipp an das Paar: Sich zuerst an der eigenen Nase nehmen bevor man andere Leute beleidigt.

  • #5

    MB (Donnerstag, 09 Juli 2020 19:55)

    Diese Situation kenne ich zu genüge. Meine Kleine hatte jahrelang Toibelianfälle. Immer in Situationen, in denen es mega peinlich war. Ich habe gelernt, selbstsicher aufzutreten. Es ist nicht peinlich, wenn das Kind toibelet, die Reaktion der umstehenden sind peinlich. Keine Mutter muss sich das bieten lassen. Ich als Zeuge hätte mich für die Mutter eingesetzt. Die meisten trauen sich nicht, was schade ist.
    Ein Muster aus meiner Zeit: in einem Grossverteiler in Wetzikon, Gemüse- und Früchteabteilung. Das erste Mal mit zwei Kindern einkaufen. Die Grosse (2) durfte das erste Mal neben mir her laufen und hat gleich die Früchte probiert und wieder zurück gelegt. Als ich sie zurechtwies, warf sie sich auf den Boden und schrie wie am Spiess. Ich glaube, der ganze Laden stand still. Einige schüttelten den Kopf. Ganz kurz überlegte ich, ob ich zur Kasse gehen, zahlen und nach Hause fahren sollte. Nein, ich entschied dass ich mich nicht von einer Zweijährigen terrorisieren lasse. Kommentare wie, das arme Kind! Kommentierte ich mit „selber schuld, die braucht kein Mitleid. An der Kasse stand ein gaffender älterer Mann, den habe ich dazu verdonnert mir beim Einladen des um sich schlagenden Kindes zu helfen.
    Im Auto war das „arme Kind“ wieder das ruhigste der Welt. Aber das schönste war, dass eine Seniorin zu mir kam, mir auf die Schulter klopfte und meinte: „Das haben sie gut gemacht. Man sieht nicht viele Mütter, die mit Publikum so handeln.“ Das hat mich für zukünftige Anfälle meiner Kinder gestärkt.
    Manchmal hilft es, den Einkaufswagen an der Kasse stehen zu lassen und das Kind von den Zuschauern weg, nach draussen zu bringen. Die Kleinen sind sehr gute Schauspieler. Sobald das Publikum weg ist, hören sie zu und man kann sie beruhigen. Wenns vorbei ist, geht man fertig einkaufen.

  • #6

    Proletariat Schweiz (Freitag, 10 Juli 2020 12:33)

    Das Problem ist offensichtlich gesellschaftlich.
    Die Mitmenschen haben kein Verständnis für einander.

    Wenn die Mutter nichts der Gleichen getan hätte, dann wäre diese Reaktion berechtigt. In diesem Fall ist es aber nicht korrekt.

  • #7

    PC (Sonntag, 12 Juli 2020 15:04)

    Als Vater von 3 Söhnen ist mir diese Situation leider auch bekannt! Ich bekam jedoch in einem Fall mal aufmunternde Worte von einem Mitleidenden mit der gleichen Selbsterfahrung! Was mir hier zu denken gibt, dass hier die Mutter von 2 Besserwissern abgekanzelt wird und niemand im Laden hier einschreitet und hilft! Das ist das Bild unserer Gesellschaft, jeder schaut weg! Was Proletariat Schweiz sagen will ist mir auch nicht klar? Kann mir das jemand erklären?

  • #8

    Proletariat Schweiz (Sonntag, 12 Juli 2020 18:49)

    @PS
    Unsere Gesellschaft ist entfremdet voneinander. Es gibt einen Mangel im Integrationsprogramm und jeder Mensch ist so ziemlich auf sich selbst eingestellt. Im Prinzip kennt man nicht einmal mehr das eigene Dorf.
    Es gibt viel zutun und wir packen dies an!

  • #9

    Michael Görlitz (Sonntag, 19 Juli 2020 12:31)

    Den 2 Besserwissern hat das Einatmen der eigenen coronaverseuchten Luft wohl nicht gut getan.