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Pestizid-belastetes Trinkwasser in Gossau: Gemeinde nimmt Stellung

Pestizid-belastetes Wasser auch in Gossau ZH (Symbolbild)
Pestizid-belastetes Wasser auch in Gossau ZH (Symbolbild)

 

In den Medien wurde in den vergangenen Tagen berichtet, dass das Grundwasser in verschiedenen Gemeinden im Kanton Zürich mit Pestizid belastet ist. Auch die Gemeinde Gossau ZH war betroffen. Jörg Kündig, Gemeindepräsident von Gossau ZH, nimmt Stellung.

 

von Barbara Tudor

 

In den Medien wurde in den vergangenen Tagen berichtet, dass das Grundwasser in verschiedenen Gemeinden im Kanton Zürich mit einem Pestizid, genauer mit Chlorothalonil, belastet ist. Die Grenzwerte wurden gemäss Bericht des Bundesamts für Umwelt (BAFU) teilweise massiv überschritten. Auch die Gemeinde Gossau ZH ist auf dieser Liste aufgeführt mit einem Messwert von 0.22 anstatt der erlaubten 0.10 Mikrogramm pro Liter. bunts.ch wollte es genauer wissen und hat bei der Gemeinde nachgefragt. Jörg Kündig, Gemeindepräsident von Gossau ZH, nimmt Stellung.

 

Wie hat die Gemeinde auf die Testergebnisse reagiert?

Jörg Kündig: Das Wasser ist als Lebensmittel unentbehrlich. Entsprechend ist es der Gemeinde ein grosses Anliegen, die Versorgung mit Trinkwasser in hoher Qualität sicherzustellen. Dieses wird aus verschiedenen Wasserfassungen gewonnen. Das Grundwasser ist wichtige Grundlage, ebenso aber das Wasser des Zürichsees. Die Versorgung der Gemeinde Gossau wurde der Wasserversorgungsgenossenschaft Bertschikon, resp. Grüt + Gossau übertragen. Die Gemeinde Gossau hat die Aufsichtspflicht über diese Genossenschaften. Die Kommunikation der kantonalen Stellen war mehr als unglücklich. Insbesondere, weil sie gar nicht erfolgte resp. die Grundlage eine Anpassung der Grenzwerte im Mai 2019 war. So wurde die Bevölkerung verunsichert, obwohl keine akute Gefahr bestand und besteht, dass gefährlich verunreinigtes Trinkwasser in Haushaltungen und Brunnen geführt wird. Selbstverständlich haben wir die Situation sofort beurteilt und die nötigen Massnahmen getroffen. Hätte irgendwelche Gefahr für die Gossauerinnen und Gossauer bestanden, wären diese unmittelbar erfolgt und wir hätten umgehend auf allen Medienkanälen informiert. Dies war aber nicht nötig – glücklicherweise. Grundsätzlich muss die konzessionierte Wasserversorgung geeignete Massnahmen treffen, um die Richtwerte einzuhalten und die Gemeinde auf dem Laufenden halten. Als Sofortmassnahme hat die Wasserversorgung, nach Rücksprache mit Spezialisten, die Zufuhr von Fremdwasser, insbesondere vom Seewasserwerk erhöht. Damit kann der Richtwert für die Trinkwasserqualität eingehalten werden. Zusätzlich werden Proben vom Netz genommen und analysiert. Mittel- und langfristige Massnahmen wie die Reinigung der Pumpwerke und die Anpassung der Schutzzonenreglemente werden geprüft.

 

«Die Kommunikation der kantonalen Stellen war mehr als unglücklich.»

Jörg Kündig, Gemeindepräsident von Gossau ZH

 

Was heisst das konkret für Gossau: Ist die Versorgung mit gutem Trinkwasser gewährleistet?
Gossau hat zwei eigene Wasserversorgungen: die Wasserversorgung Grüt + Gossau, welche nun bei einem Grundwasserpumpwerk von den zu hohen Messwerten betroffen ist, sowie die Wasserversorgung Bertschikon. Die Fassung der Wasserversorgung Bertschikon, aber auch die übrigen Wasserfassungen der Wasserversorgung Grüt + Gossau, halten die Grenzwerte ein. Zudem kann Seewasser aus Seewasserwerk eingespiesen werden. Die Versorgung mit Trinkwasser in der geforderten Qualität ist damit sichergestellt.

 

«Die Versorgung mit Trinkwasser in der geforderten Qualität ist sichergestellt.»

Jörg Kündig

 

Wo sieht die Gemeinde die Kernproblematik bzw. was will oder kann man dagegen unternehmen?
Die aktuellste Messkampagne, welche nun flächendeckend durch das AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) durchgeführt wurde, zeigt, dass offenbar Rückstände von Pestiziden in die Trinkwasserfassung gelangen können. Wie und in welchem Umfeld diese Stoffe ins Trinkwasser kommen, ist noch unklar. Dazu wird es wohl noch einiges an Forschungsarbeit brauchen. Hier sind die Fachspezialisten gefragt, die zurzeit auch die Wasserversorgungen und das AWEL beraten. In Gossau ZH wurden in den letzten Jahren mehrere Grundwasserschutzzonen überarbeitet. Der Schutzperimeter wurde jeweils ausgeweitet und die Vorschriften verschärft. Das Schutzzonenreglement bei der Fassung «Seewadel» stammt aus dem Jahr 1980. Bei der nächsten Überarbeitung können die neusten Erkenntnisse sicherlich ins Reglement einfliessen. Bestimmt wird es auch darum gehen, den Rhythmus für die Überwachung der Qualität des Trinkwassers hoch zu halten.

 

«Grundsätzlich sind die Grundwasserfassungen in der Schweiz gut geschützt.»

Jörg Kündig

 

Die Europäische Union setzte das Pestizid «Chlorothalonil» im Frühling 2019 auf die Liste der verbotenen Pflanzenschutzmittel und auch die Schweiz prüft derzeit ein Verbot. Welche Meinung hat die Gemeinde Gossau ZH dazu?
Grundsätzlich sind die Grundwasserfassungen in der Schweiz mit den angesprochenen Schutzzonenreglementen sehr gut geschützt. Ob ein Verbot oder eine starke Einschränkung der gefährlichen Pestizide, wie es der Bauernverband vorschlägt, das richtige Mittel ist, können wir nicht abschliessend beurteilen. Letztendlich haben wir uns den Vorschriften zu unterziehen. Die Wasserversorgungsgenossenschaften erhalten von der Gemeinde eine Konzession, um im Gemeindegebiet die Trinkwasserversorgung inkl. der Löschwasserversorgung sicherzustellen. Wir als Gemeinde üben die Aufsicht über die weitgehend selbständigen Genossenschaften aus. Die Wasserversorgungen legen gegenüber ihren Genossenschaftsmitgliedern jährlich Rechenschaft über die Trinkwasserqualität, aber auch über die finanziellen Belange ab. Auch die Gemeinde prüft diese Angaben. Die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen der Trinkwasserqualität gab in den letzten Jahren keinen Anlass zur Beanstandung. Da das Thema jetzt erhöhte Aufmerksamkeit bekommen hat, werden wir prüfen, inwieweit es hilfreich wäre, die Gossauerinnen und Gossauer verbessert zu informieren.

Das Interview wurde per E-Mail geführt.


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Wasserversorgung in der Gemeinde Gossau ZH

In der Gemeinde Gossau ZH befinden sich sechs Grundwasserfassungen für Trinkwasser, welche ins öffentliche Wasserleitungsnetz eingespiesen werden, drei davon für die Wasserversorgung Grüt + Gossau, eine für die Wasserversorgung Bertschikon, eine für die Wasserversorgung Mönchaltorf und eine für die Gruppenwasserversorgung Ottikon-Grüningen-Hombrechtikon (OGH). Es gibt noch weitere Quellwasserfassungen, welche aber nicht als Trinkwasser verwendet werden dürfen. Die Wasserförderung pro Quelle ist sehr unterschiedlich, beträgt bei der Wasserversorgung Grüt/Gossau zwischen 50‘000 m3 bis gegen 280‘000 m3. Der Gesamtverkauf der Wasserversorgung Grüt + Gossau beträgt jährlich rund 570‘000m3, derjenige der Wasserversorgung Bertschikon rund 60‘000 m3. Die Aufgabe der Wasserversorgung wird finanziert durch Anschlussgebühren für neue Leitungen und die direkten Wasserzinsen pro m3 Verbrauch. Grundlage für die möglichst verbrauchsgerechte Abrechnung sind die Wasseruhren. Der Frischwasserverbrauch ist ebenfalls wichtige Grundlage für die Berechnung der Abwassergebühren pro Haushalt.

 

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