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Es braucht eine Welle der Solidarität fürs lokale Gewerbe

 

von Barbara Tudor

 

Auf den ersten Blick scheint alles wie vor dem 17. März 2020 zu sein. Das Wetter ist perfekt, die Geschäfte und Restaurants sind wieder offen, man kann sich freier bewegen. Doch so rosig ist es nicht. Viele Geschäfte leiden. Während des Lockdowns und jetzt immer noch. Nach der ersten Solidaritätswelle für Hilfesuchende und Risikogruppen, braucht es jetzt eine Welle der Solidarität fürs lokale Gewerbe.

 

Leiden im Stillen

Viele Geschäfte und Restaurants haben zwar wieder offen. Doch die Kunden und damit die Umsätze sind vielerorts noch nicht wieder zurückgekehrt. Die Gründe fürs Fernbleiben sind vielfältig. Die einen fürchten sich vor einer Ansteckung, die anderen stören sich an der Maskenpflicht in gewissen Geschäften. Anschaffungen und Investitionen werden vertagt. Die Konsumfreude ist im Keller. Demgegenüber stehen die Gewerbetreibenden vor den laufenden Kosten und leiden nicht selten im Stillen. Man will nicht an die grosse Glocke hängen, dass es nicht so gut läuft. Zu gross ist die Angst, dass sie damit ihre Kunden verschrecken und diese zur Konkurrenz abwandern. Sie müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, das ihnen das Coronavirus eingebrockt hat. Selbst Betriebe, die sich durch ein vernünftiges Wirtschaften ein kleines Polster anlegen konnten, sehen ihre Existenz bedroht, wenn die Kundschaft nicht bald zurückkehrt. Darüber hinaus müssen sie sich teilweise auch unschöne Kommentare anhören. Zum Beispiel, weil aus gesetzlichen Gründen gewisse Dienstleistungen noch nicht angeboten werden dürfen oder weil das Tragen von Masken vorgeschrieben ist.

 

Hohe Kosten wegen Schutzmassnahmen

Man kann von den verordneten Schutzmassnahmen halten, was man will. Doch die Gewerbetreibenden müssen sie umsetzen, ob sie wollen oder nicht. Ansonsten drohen ihnen hohe Bussen. Neben tieferen Umsätzen gibt's zudem höhere Kosten. Man braucht kein Rechengenie zu sein, um zu erkennen, dass das nicht lange gut gehen kann. Alleine die Beschaffung von Schutzmaterial wie Masken und Desinfektionsmittel kostet ein Geschäft tausende von Franken, das es nicht auf die Kunden abwälzen kann. Und jene, die den Mut hatten, einen kleinen Aufpreis zu verlangen, wurden medial wüst beschimpft. Dazu kommt der Mehraufwand fürs Desinfizieren von Tischen, Stühlen, Geräten, Speisekarten usw. Je nach räumlichen Gegebenheiten müssen auch grössere zeitliche Abstände zwischen zwei Kundenterminen eingeplant werden, damit sich die Kunden nicht kreuzen. Viel Mehraufwand also, welcher der Kunde nicht unbedingt mitbekommt.

 

Konsument*innen in der Pflicht

Man kann jetzt natürlich über die Politik schimpfen, über allfällige Fehlentscheide des Bundesrates oder über die Unverhältnismässigkeit der Massnahmen. Doch das hilft dem Gewerbe nicht. Wir als Konsument*innen sind in der Verantwortung. Wir können aktiv etwas dagegen tun. Nach der ersten grossen Welle der Solidarität für die Risikogruppen mit Einkaufen oder Fahrdiensten, braucht es jetzt eine grosse Welle der Solidarität für unser heimisches Gewerbe. Wir müssen noch bewusster im Laden um die Ecke einkaufen oder online bei den Schweizer Geschäften und nicht im fernen Ausland. Geiz ist schon lange nicht mehr geil. Natürlich müssen wir den Gürtel enger schnallen, und es ist nur verständlich, dass man sich im Moment jede Ausgabe zwei Mal überlegt. Doch so wie Bundesrat Ueli Maurer neulich ans Parlament appellierte, Ferien in der Schweiz zu machen, so sollte jetzt auch möglichst jeder Konsum-Franken in der Schweiz ausgegeben werden.

 

Gewerbe-Diversität fördern

Jetzt erst recht müssen wir den vielen grossartigen Schweizer Betrieben zeigen, dass wir hinter ihnen stehen und sie wichtig für uns sind. Der Bauer, der Gärtner, die Kosmetikerin, der Sanitär, die Floristin, der Malermeister, die Papeteristin... Kaufen wir unser Brot beim Bäcker im Dorf statt bei den Grossen mit A oder L im Namen (die werden's verkraften). Gehen wir zum Metzger ums Eck statt zum Fleischdiscounter ännet der Grenze. Gönnen wir uns gerade jetzt einen Coiffeurbesuch und akzeptieren dabei auch, dass dieser im Moment nur mit Maske möglich ist. Klar gibt's Cooleres, als sich im Spiegel mit Maske anzuschauen. Doch wie erst muss es für den Coiffeur oder die Coiffeuse sein, die sie den ganzen Tag tragen müssen. Statt ihnen mit Unverständnis zu begegnen oder sie gar mit Nichterscheinen abzustrafen, sollten wir gerade jene unterstützen, die sich so vorbildlich verhalten. Die viel Aufwand und Mehrkosten auf sich nehmen, um jene Vorschriften einzuhalten, die ihnen per Gesetz aufgebrummt wurden und die letztendlich vor allem eines tun sollen: die Konsumenten schützen.

 

Sich selber etwas Gutes tun

Ja, die aktuelle Zeit lässt keine grossen Sprünge und Extrawürste zu. Aber ein bewusstes und gewerbe-freundliches Einkaufen sollte mit etwas gutem Willen auch in dieser Zeit möglich sein. Nur so bekommen wir auch in Zukunft die ausgezeichnete Schweizer Qualität, die wir so lieben.


Aktion "Zweite Welle der Solidarität"

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