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Wie kommt die Milch eigentlich ins Regal?

Direkt vom Bauernhof in den Lastwagen. Bild: Tudor Dialog
Direkt vom Bauernhof in den Lastwagen. Bild: Tudor Dialog

 

Den meisten Konsumentinnen und Konsumenten dürfte nicht bewusst sein, was es alles braucht, damit sie eine Packung Milch, ein Jogurt oder ein Stück Käse aus dem Regal nehmen können. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Transportunternehmen J. Meier Grüt Transporte AG aus dem Grüt.

 

von Barbara Tudor

 

Neben der wertvollen Arbeit des Bauern, nämlich seine Kühe zu pflegen, sie richtig zu füttern und artgerecht zu halten, spielt das Abholen und der fristgerechte Transport von Frischmilch und Rahm zum Bestimmungsort eine zentrale Rolle, damit wir in unseren Läden einwandfreie Ware einkaufen können.

 

Von den Käsereien zu den grossen Milchverarbeitern

Früher brachte der Bauer seine Milch zum Käser ins Dorf, wo daraus verschiedene Milchprodukte hergestellt wurden. Oder die Dorfbewohner kauften ihre Frischmilch direkt ab Hof. Die Nachfrage nach Milchprodukten stieg ständig und technologische Entwicklungen ermöglichten neue Herstellungsverfahren für Milchprodukte. Es entstanden Milchverarbeitungszentren in der ganzen Schweiz, beispielsweise damals die Toni-Molkerei. Entsprechend musste auch die Logistik angepasst und ausgeweitet werden. Doch wie kommen die gute Milch und der Rahm eigentlich vom Bauern bzw. vom Käser zu den Verarbeitern? Über ein ausgeklügeltes Logistiksystem zwischen den Produzenten, Transporteuren und Verarbeitern!

 

Auf allen Strassen und Wegen unterwegs. Hier am Steuer: Bruno Hunziker, Fahrer der J. Meier Grüt Transporte AG.
Auf allen Strassen und Wegen unterwegs. Hier am Steuer: Bruno Hunziker, Fahrer der J. Meier Grüt Transporte AG.

Der Chauffeur als entscheidendes Puzzleteil

Die gemolkene Milch muss innerhalb von 48 Stunden beim Bauern abgeholt werden, damit sie den Qualitätsanforderungen genügt und entsprechend verarbeitet werden kann. Die gemolkene Milch wird direkt von Melk-Aggregaten in den Kühltank des Bauern geleitet, wo sie innerhalb von 30 Minuten auf maximal 4 °C heruntergekühlt wird. Teilweise wird die Milch kurz nach dem Melken abgeholt, sodass die Temperatur von 4 °C dann noch nicht erreicht ist. Damit die Milch aufgeladen werden kann, darf sie eine Temperatur von 8 °C nicht überschreiten. Ob Sommer oder Winter. Kurz ist also das Zeitfenster, in welchem das Rohprodukt auf dem Bauernhof abgeholt und zum Verarbeiter transportiert werden muss. Diese Aufgabe übernehmen bei der J. Meier Grüt Transporte AG derzeit 45 Chauffeure für die meisten Milchbauern im Gebiet Zürcher Oberland, Region Zürichsee, Uznach SG und Winterthur sowie für den Rahmtransport in der ganzen Ost- und Mittelschweiz. Jeden Tag. Bei jedem Wetter. Bei jeder Verkehrslage.

 

Arbeitsbeginn früh morgens und spät abends

Die Arbeit für der Fahrer beginnt zwischen 18.30 Uhr abends und 5.00 Uhr morgens. Der erste Rahmsammelwagen fährt um 5.00 Uhr los, da die Käsereien nicht in der Nacht angefahren werden können. Die Milch wird – je nach Tour und Milchmengen der Bauern – im Tages- oder 2-Tages-Rhythmus von den Bauernhöfen eingesammelt. Anhand eines genau definierten Plans fährt der Chauffeur die verschiedenen Bauernhöfe oder Käsereien auf seiner Tour an. Ob zentral gelegen, abseits oder auch nur über Feldwege erreichbar. Ob bei Schnee, Eis oder Regen. Die Chauffeure der J. Meier Grüt Transporte AG sind so zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Einige der Chauffeure fahren immer die gleichen Touren, anderer Fahrer, die sog. Springer, kennen verschiedene Touren und werden somit auf unterschiedlichen Fahrzeugen zu verschiedenen Abfahrtszeiten eingesetzt.

 

«Ich mag meine Arbeit. Ich kann selbständig wirken und niemand redet mir drein.»

Bruno Hunziker, Chauffeur bei J. Meier Grüt Transporte AG

 

Ist mit der Milch alles in Ordnung, wird der Schlauch angesetzt und die Milch abgesaugt.
Ist mit der Milch alles in Ordnung, wird der Schlauch angesetzt und die Milch abgesaugt.

Mit allen Sinnen bei der Sache

Auf dem Bauernhof angekommen, steigt der Chauffeur aus dem Fahrzeug aus, geht zum sog. Milchzimmer, wo die Milch in einem Kühltank auf ihn wartet. Als erstes überprüft der Fahrer die Temperatur am Tank. Das ist entscheidend, denn werden mehr als 8 °C angezeigt – was sehr selten vorkommt – darf der Fahrer die Milch nicht aufladen und muss sie zurücklassen. Vor dem Öffnen des Tanks überprüft der Fahrer über eine Sinnesprobe optisch und über die Nase, ob mit der Milch alles in Ordnung ist. Erst dann führt er den Schlauch zum Tank. Über ein digitales Messgerät liest er die technischen Daten des Bauernhofes ein und startet den Absaugvorgang, der in der Regel nur wenige Minuten dauert. Ist der Vorgang abgeschlossen, quittiert der Fahrer den Vorgang und demontiert den Schlauch. Die Daten wie Auflademenge, Temperatur, Lieferant, Datum, Zeit und Probeflaschen-Nummer werden automatisch gespeichert, ein Beleg dazu wird für den Bauern ausgedruckt und im Milchzimmer hinterlassen. Dieser Vorgang wiederholt sich auf jedem Bauernhof. Ist alle Milch eingesammelt, geht es zum Abladeort bei den Milchverarbeitern.

 

Bio- und reguläre Milch stets getrennt

Auf einer der Touren werden verschiedene Milcharten abgeholt; reguläre Milch und Bio-Milch. Letztere muss verständlicherweise stets von der anderen Milch getrennt aufgeladen werden. Dies bedingt, dass der Lastwagen nicht nur mit verschiedenen Kammern, sondern auch mit zwei Messanlagen ausgestattet sein muss. Stellt ein Bauer von regulärer Milch auf Bio-Milch um, dauert der Prozess zwei Jahre. So lange gilt seine Milch noch nicht als Bio- sondern als gewöhnliche Milch und wird als solche zusammen mit der regulären Milch eingesammelt.

 

Von jedem Bauernhof wird eine eigene Probeflasche angelegt sowie von jeder Tour eine Gesamtprobe. Jeden Tag, jedes Mal.
Von jedem Bauernhof wird eine eigene Probeflasche angelegt sowie von jeder Tour eine Gesamtprobe. Jeden Tag, jedes Mal.

Produktproben für einwandfreie Qualität

Während des Aufladens der Milch wird automatisch und laufend von jedem Bauernhof Milch in eine Probeflasche abgefüllt. Zusätzlich werden während sämtlichen Aufladungen Proben in eine Gesamtprobeflasche abgefüllt. Beim Abladeort folgt als erstes ein Schnelltest dieser Gesamtprobe auf Antibiotika. Bereits kleinste Mengen an Antibiotika werden bei diesem Schnelltest erkannt. Nur in ganz seltenen Fällen kommt es vor, dass die Milch Reste von Antibiotika aufweist. Das kann vorkommen, wenn die Milch von einer Kuh, die gerade medikamentös behandelt wird, irrtümlicherweise in den Tank gelangt. Ist der Befund positiv, wird aus jeder Tankkammer eine Probe genommen. Ist die Kammer mit der betreffenden Milch identifiziert, darf die Milch aus diesem Tank nicht abgeladen werden, sondern muss zu einer Verbrennungsanlage zur Entsorgung gefahren werden. Der betroffene Bauer muss für die gesamte dadurch verloren gegangene Milchmenge sowie den Mehraufwand aufkommen.

 

Startschuss für viele einzigartige Milchprodukte

Ist mit der Ladung alles in Ordnung, kann die Milch bzw. der Rahm in die Lagertanks beim Verwerter abgeladen werden. Von dort werden die Rohmilch und der Rahm zu all jenen köstlichen Milchprodukten weiterverarbeitet, die wir so gerne in den Regalen vorfinden.

 

Quelle: Auszug aus dem Jubiläumsbuch «50 Jahre unterwegs» der J. Meier Grüt Transporte AG

Texte und Bilder: Tudor Dialog, Gossau ZH