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Projekt Wohnen in Gossau WiG: diverse Neuerungen und vorsichtiger Optimismus

Wegweisende Versammlung Ende September. Bild: WiG
Wegweisende Versammlung Ende September. Bild: WiG

 

Obwohl die WiG praktisch zahlungsunfähig ist, will man die Hoffnung noch nicht aufgeben. Der neu formierte Vorstand setzt alles daran, das Projekt doch noch zum Fliegen zu bringen.

 

von Barbara Tudor

 

Am 28. September 2020 fand die ordentliche Generalversammlung der Genossenschaft Wohnen in Gossau WIG statt. Im kürzlich veröffentlichen Genossenschaftsbrief informiert der neu formierte Vorstand über die Beschlüsse.

 

Almacasa weg, WiG praktisch zahlungsunfähig

Der langwierige Entwicklungsprozess mit dem hängigen Verfahren vor Verwaltungsgericht und der nach einigen Zusatzschlaufen nun endlich greifbaren Baubewilligung, habe seine Spuren hinterlassen, schreiben Martin Kuster und Barbara Fischer in ihrer Mitteilung. So habe sich die Almacasa bzw. Spectren AG, welche als Kapitalgeberin und spätere Betreiberin der Alterswohnungen eine zentrale Rolle innehatte, aus dem Projekt zurückgezogen, was für die Genossenschaft die Situation noch schwieriger machte. Denn daraus folge die Tatsache, dass die WiG derzeit nicht in der Lage sei, den gegenüber der Wawijo Immobilien GmbH per 17. September 2020 fälligen Ausstand von 1 Million Franken fristgerecht zu begleichen. Zwar habe sich der Vorstand sofort auf die Suche nach anderen Kapitalgebern gemacht, aber es habe sich rasch erwiesen, dass es ohne rechtskräftige Baubewilligung praktisch unmöglich sei, einen neuen Projektpartner oder Investor zu finden. Immerhin sei aufgrund des seit dem Erwerb deutlich gestiegenen Landwerts sichergestellt, dass kein Gläubiger und auch kein Genossenschaftsmitglied finanziell zu Schaden kommen werde. Denn der Landwert der Baulandparzelle am Roswisbach in Gossau ZH übersteige die Ausstände der WiG wie auch das eingelegte Eigenkapital ihrer Mitglieder deutlich. Selbst im Falle eines Konkurses könnten alle Verpflichtungen gegenüber der Wawijo wie auch der Mitglieder erfüllt werden. Gleichzeitig sei die WiG praktisch zahlungsunfähig und vermöge aktuell nur die nötigsten Auslagen zu decken. Ohne neue liquide Mittel in der Grössenordnung von CHF 700‘000 zur Aufstockung des Eigenkapitals drohe der Konkurs, so die Mitteilung. Im Zuge dieser Schwierigkeiten hätten sich auch unüberbrückbare Differenzen mit Aaron J. Wegmann gezeigt. Der Vorstand habe nach reiflicher Überlegung beschlossen, den Generalplanervertrag aufzulösen. Für die kommende anspruchsvolle Umsetzungsphase brauche es frische Kräfte.

 

Das Projekt steht auf Messers Schneide

Der Fortbestand der WiG steht laut Mitteilung auf Messers Schneide. Das allgemeine Interesse, das Projekt allen Widrigkeiten zum Trotz zu retten, bestehe aber weiterhin. Es hätten sich Türen einen Spalt weit geöffnet, die man bisher für geschlossen hielt. Entscheidend für das weitere Vorgehen sei die mit Spannung erwartete Baubewilligung.

 

Änderungen im Vorstand
Der bisherige Präsident, Alfred Wäfler, sowie der bisherige Vizepräsident, Peter Fäh, haben ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die übrigen Vorstandsmitglieder, Fritz Scheibler (Bauwesen), Marc Dürr (Finanzen) und Barbara Fischer (Aktuariat), stellten sich für eine weitere Amtszeit zur Wiederwahl.  Die Versammlung ergänzte ihren Vorstand mit den drei Kandidaten: Martin Kuster als Präsident, Claudio Zanetti als Jurist und Christian Höfliger für die Kommunikation. Das neu bestellte Führungsgremium sei sich seiner schwierigen Aufgabe bewusst. Es sei jedoch gewillt, vollen Einsatz zu leisten, damit das Projekt doch noch «zum Fliegen» komme. Garantien dafür geb es keine, aber die Zeichen stünden heute etwas besser als auch schon. Der Vorstand will schon bald über die weitere Entwicklung informieren. Auch wenn der Weg bis hierher ein sehr langer und beschwerlicher gewesen sei und es noch einige Hürden zu meistern gelte, so handle es sich doch um ein überzeugendes Gesamtprojekt an einem attraktiven Ort, wofür es sich lohne, sich einzusetzen.  «Es wäre schade, wenn die Anstrengungen und das Herzblut der letzten Jahre vergeblich gewesen wären».

 

Quelle: Genossenschaftsbrief/Newsletter 3/20 vom 5.10.2020